Mobilitäts-Apps, Ok, kenne ich… Aber wem gehören die Autos??

Autos über Apps und Smartphones mieten ist „Leasing im Zeitraffer“ – innerhalb der Autokonzerne steuern und verantworten die Banken diese neuen Mobilitätskonzepte. Der Erfolg der intermodalen Mobilität steht und fällt mit der Finanzierung und der Informationstechnologie der Finanzhäuser.

CArtogo

Politiker und Wirtschaft sind elektrifiziert – mit neuen intermodalen Konzepten wollen sie die Ballungsräume verändern. Ihr Ziel sei es Lebensräume zu verbessern, indem sie die Mobilität verändern, sagen die Verantwortlichen. Für die Verwirklichung dieser Utopie sei das Smartphone der „Zündschlüssel der Zukunft“ meint zum Beispiel Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Bei einer Diskussion des Verkehrsforums in Berlin sprach er über die Rolle des Smartphones und wie die neuen Kommunikationstechniken die unterschiedlichsten Mobilitätsangebote vernetzen. Er sei überzeugt, dass „Handy, Smartphone und Internet den Zugang zu den verschiedenen Mobilitätsangeboten und den Übergang zwischen ihnen erleichtern“. Dabei gehe es um schnelle und verlässliche Information, aber auch um Ortung, Vertragsabschluss und Abrechnung.

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Eine Nachfrage beim Arbeitskreis der Autobanken bringt die Bestätigung, dass Mobilitätskonzepte aus der Projektphase heraus sind. Viele Konzerne haben Geschäftsmodelle formuliert und sie bereits in eigenständige Gesellschaften überführt. Citroën hat Angebote mit den Namen „Mu by Peugeot“ und „multicity“. Bei Daimler heißt das Konzept „car2go“. Volkswagen nennt es „Quicar“, BMW bietet „DriveNow“ und „BMW on Demand“. Horst Berger, Leiter geschäftsführendes Sekretariat des Arbeitskreises Autobanken (AKA), unterstreicht, dass bei den Herstellern „alle Konzepte in enger Zusammenarbeit mit den Finanztöchtern aufgelegt wurden“. Er denke, diese Entwicklung sich fortsetzen und damit die Bedeutung der Autobanken weiter zunehmen.

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Auf den ersten Blick ist die Verbindung zwischen Mobilitätsangeboten und Autobanken nicht offensichtlich. Der Schlüssel zum Verständnis liegt im Leasing- und Versicherungsgeschäft der Banken. Und in deren Skalierung auf einen extrem kleinen Level. Experten erklären, dass die Hersteller beim Vertrieb der Mobilität die sehr langsamen und schwerfälligen Drei-Jahres-Leasing-Verträge ersetzen. Folge sei, dass die Leasingfrist sehr schnell laufe – quasi wie in einem Zeitraffer. Der Kunde sitzt ohne Verkaufsgespräch in seinem Fahrzeug, finanziert und versichert es über eine App der Autobanken auf seinem Smartphone und gibt es bereits kurze Zeit später zurück. Offensichtlich managen die Banken diese Leistungen über ein hoch intelligentes und möglichst automatisiertes IT-System.

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Die Kunden nutzen die Autos als einen Teil des intermodalen Angebotes nur für kurze Zeit. Vielleicht hat der Kunde ein Auto sogar nur wenige Stunden gefahren und ist dann mit der Bahn oder einem Fahrrad an sein Ziel gekommen – die Kosten für diese Leistungen listet das Billing-System minuten- und kilometergenau auf. Keine Frage, dass diese neuen Konzepte ohne Informationstechnologie überhaupt nicht denkbar sind. Und wie diese Lösungen und Services aussehen könnten, diskutieren die IT-Hersteller kontrovers. Eine Recherche nach der Umsetzung der Mobilitätskonzepte spült einen ganzen Stapel von Powerpoint-Präsentationen auf den Schreibtisch. Die unterschiedlichsten IT-Spezialisten aus den Bereichen Versicherungen, Banken und Autoindustrie wollen auf dem neuen Markt präsent sein.

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„Eine Bank würde es sicher als ihre Aufgabe sehen, diese Leistungen so breit wie möglich dem Kunden anzubieten – Versicherung, Finanzierung und Abrechnung. Sie werden aber hinterfragen müssen, ob das ein Geschäftsmodell für jede Automobilbank, für jeden Automobilhersteller oder für jede Versicherung sein kann“, sagt Stefan Riedel, Generalbevollmächtigter der IBM für die Versicherungswirtschaft. „Ich denke am Ende des Tages wird es wenige Provider geben, die den Banken Prozesse abnehmen, die nicht zur Kernkompetenz gehören und sie werden sich in der Kundenansprache und im Service differenzieren. Das wären zum Beispiel die Themen Portale oder Micro Payment.“

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Über das Portal könnte sich der Kunde die Services konfigurieren und Apps und unterschiedlichste Verkehrsmittel so orchestrieren, wie er sie braucht. Öffnet der Kunde das gemietet Auto mit seinem Smartphone, greift das Fahrzeug auf sein Profil und seine Apps zu. Er erhält im Display sein persönliches Portal angezeigt und das Auto gehört für kurze Zeit ihm. Im Auto wird er von einer Vielzahl von Anwendungen beobachtet, analysiert und geschätzt. Denn die Autobanken möchten den Kunden und dessen individuelles Verhalten kennenlernen, ihn mit Auswertungen und Analysen transparent und berechenbar machen. Auf Basis dieser Informationen wird die Software automatisch individuelle Angebote erstellen. Sie wird persönliche Versicherungsprämien berechnen, die Zahlung abwickeln oder Abrechnungen erstellen und verschicken.

Christian Raum/Oktober 2012

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