Manchester auf dem Weg zur Schlauen Stadt

♪♫AUTOS & COMPUTER
Manchester auf dem Weg zur Schlauen Stadt
Deutsche Leitkultur Blog by Christian Raum
Berlin, May 12th 2017

Die Diskussionen um die ideale, digitalisierte Stadt sind so alt, wie Computer selbst. Immer wieder hatten Techniker, Programmierer, Stadtplaner und Architekten versucht die „Smart City“ als digitalen Zwilling einer Stadt aufzubauen und in Computer Netzwerken abzubilden. In dieser Idealvorstellung schlägt das digitale Herz im Takt der Menschen, des Verkehrs, der Jahreszeiten und der Theater, Kinos, Konzerthallen, Sportereignisse. Die ideale Stadt hat Sensoren und Kameras und ein weit verzweigtes Netzwerk. Sie fühlt, schmeckt, riecht, sieht und trifft Entscheidungen. Und falls sie funktioniert arbeitet sie auf Basis eine Geschäftsmodells, dass sie zu einem Exportschlager machen kann.

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Bislang sind diese Blaupausen immer an der Komplexität gescheitert. Nun hat im Juli 2016 ein Konsortium unter der Führung des Manchester City Council mit der Realisierung eines neuen Konzeptes begonnen. Staatliche Organisationen, Universitäten, Startups und Wirtschaftsunternehmen arbeiten gemeinsam an der Realisierung von „CityVerve“. Die Beteiligten fangen nicht bei null an – ein Fundament von CityVerve ist das „MK Smart“-Projekt in Milton Keynes. Für die Ansprüche in Manchester wird es massiv erweitert.

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Das Modell CityVerve wird in Manchester im sogenannten „Innovation Corridor“ aufgebaut. Der Korridor ist eine mehr als 360 Hektar große Fläche in Manchester. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll das neue Netzwerk Gebäude mit mehr als 60.000 Arbeitsplätzen verbinden – sowie die Räume der Universität, die von etwa 72.000 Studenten genutzt werden. Darüber hinaus werden Straßen, Autos, Busse, Menschen und Parks mit Sensorik ausgestattet. Die Anwendungen im Rechenzentrum verfolgen, analysieren und steuern das Leben und den Verkehr auf dem Korridor rund um die Uhr.

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Den Unterschied zu früheren Smart-City-Projekten macht insbesondere die Technologie. Die CityVerve-Verantwortlichen hoffen mit neuen Technologien die Lebensbereiche der Menschen eng miteinander zu verzahnen. Anders als bei früheren Konzepten orientiere sich die Organisation der Stadt nicht mehr am möglichst reibungslosen Verkehr, in der Zukunft stehe die Gesundheit der Menschen auf Platz eins.

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„Das Projekt wird zeigen, wie wir verschiedene IoT-basierende Services der Smart City umsetzen können. Denn es wird auf der IoT-Infrastruktur und Technologie wie ‚Hypercat‘ und ‚InterCloud‘ basieren“, sagt Professor Chris Taylor, Principal Investigator an der Universität Manchester. „Diese Infrastruktur erlaubt die schnelle Skalierung und Interoperabilität und den Zugriff auf alle Daten in Echtzeit.“

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Mit dem in Großbritannien entwickelten Standard Hypercat können alle Arten von Sensoren automatisiert an ein Netzwerk angebunden und mit den Anwendungen verlinkt werden. In London arbeiten die Experten, die innerhalb von CityVerve für Hypercat Technologie und die Vernetzung von Sensoren und Anwendungen verantwortlich sind. Mit Unterstützung des Startup Asset Mapping hat CityVerve Ende Oktober 2016 das erste Gebäude – das Biomedical Center of Excellence – an das CityVerve-Netzwerk angebunden. „Wir haben das erste Haus in ein ‚Smart Building‘ verwandelt. Unser großes Ziel ist es das Leben der Menschen zu verbessern, in dem wir Gebäude so ausrüsten, dass sie dynamisch auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren“, sagt Bill Clee, CEO von Asset Mapping. Analog zu dem Gebäude kann Asset Mapping jeden Sensor – in einem Fahrzeug, an einem Menschen, auf einer Straße –an das Netzwerk anschließen.

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Dies ist die offensichtliche neue Qualität des CityVerve Ansatzes. In Manchester werden vier Lebensbereiche der Menschen eng miteinander verzahnt.

  • Gesundheit – CityVerve kontrolliert die Luftqualität auf der Straße, in Parks und in den Gebäuden. Menschen verbringen fast 20 Stunden innerhalb von Gebäuden und schon kleine Veränderungen bei der Luftqualität, beim Licht, bei Temperaturen oder Design kann die Gesundheit der Menschen verbessern.
  • Verkehr – CityVerve basiert auf den Ergebnissen und den Lösungen des Projektes MK Smart. Mit dessen Hilfe wurde die Stadt Milton Keynes mit einem Internet-of-Things-Netzwerk ausgestattet, mit dem unter anderem sämtliche Verkehrsdaten der Stadt erfasst und verarbeitet werden. MK Smart wird in Manchester weiter entwickelt und mit den anderen drei Bereichen verlinkt.
  • Energie und Umwelt – die Verantwortlichen hoffen mit der zentralen Steuerung von Gebäuden, Verkehr und auch Kraftwerken Energie zu sparen, Kosten zu senken und die Umwelt zu entlasten.
  • Kultur – Der Manchester Korridor soll ein neues kulturelles Zentrum von Manchester werden. Dafür lassen sich Verkehr, Gebäude, Events, Besucherströme zentral und automatisiert steuern.

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CityVerve hat in Manchester hohe Erwartungen geweckt. Doch die Frage, ob CityVerve nach der Projektphase auch als Geschäftsmodell dienen kann ist offen. Ein Problem könnte sein, dass die Stadtverwaltung nur für einen Teil der öffentlichen Leistungen verantwortlich ist. Viele Dienstleistungen wurden an private Firmen outgesourct. Diese Unternehmen müssen jetzt in das Projekt eingebunden werden.

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Die entscheidende Frage sei also, ob die Stadt Manchester eine so hohe Wertschöpfung erzielen kann, dass sich CityVerve auch in Zukunft rechnet, sagt Chris Bruce, Direktor bei BT Global Services und Co-Chairman des ‚Connected City Advisory Boards‘. „Aus meiner Sicht ist die Technologie das eine Problem, die größere Herausforderung ist aber die Frage ‚Wer bezahlt‘ und wie sieht das Geschäftsmodell einer Smart City aus.“

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Der Wert des Projektes messe sich an den Daten, die Sensoren, Netzwerke und Rechenzentren generieren und verarbeiten. „Es kann aber sein, dass diese Daten für das Unternehmen, das das Netzwerk betreibt keinen Wert haben. Also müssen wir über Möglichkeiten nachdenken, wie wir die Leistungen abrechnen können. Dafür wird ein neues Denken und neue Ideen für das Geschäftsmodell einer Stadt benötigt.“

Christian Raum / veröffentlicht in Automotive IT, Januar 2017
Bilder: Manchester University

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