Fahrerassistenzsysteme verdrängen das Autoradio

DAB+ soll der neue Standard des Autoradios sein. Doch gibt es Zweifel, ob die Sender diesen Schritt gehen sollen – oder ob sie auf eine sterbende Technologie setzen. Doch die Konkurrenz zu DAB+ sind vielleicht gar nicht die Apps, Downloads und Musikstreams aus dem mobilen Internet. Die wahre Konkurrenz sind die Dienstleistungen der Autohersteller, die über Datennetze in die Autos kommen – beispielsweise die sogenannten „Fahrerassistenzsysteme“.

BOSCH: Fertigung von Halbleitern für Vernetzte Fahrzeuge
Fertigung von Halbleitern für Vernetzte Fahrzeuge bei Bosch

Das DAB+-Radio verspricht für die Automobilindustrie einen großen Umsatz – oder eine empfindliche Pleite. Im Moment sind rund 44 Millionen Autos in Deutschland angemeldet, der Preis für ein DAB+-Radio liegt zwischen 200 und 300 Euro. Gelänge es der Automobilindustrie alle Neuwagen mit DAB+ auszurüsten und auf diese Weise über die kommenden Jahre nach und nach die gesamte Flotte auf Deutschlands Straßen umzustellen, könnte ein zweistelliger Milliardenumsatz winken. Würden die Sendeanstalten DAB+ als Standard nicht durchzusetzen, würde eine zu schnelle Zusage zu einem gigantischen Fiasko führen. Es ist also kein Wunder, dass die Branche mit Zusagen zögert, sich die Verantwortlichen bedeckt halten. Und dass sie parallel zur aktuellen DAB+-Diskussion eigene Angebote und Dienstleistungen für mobilen Datennetzwerke aufbauen. Und tatsächlich dringen aus der Automobilindustrie Aussagen nach außen, die sehr widersprüchlich sind. Beispielsweise hat sich von 42 befragten Autoherstellern, die im Rahmen der Studie „DAB+ Autoreport 2014“ befragt wurden, lediglich Skoda für die serienmäßige Einführung der DAB+-Radios in allen Modellen ausgesprochen. Andererseits bekräftigt der Verband der Automobilindustrie im Gespräch mit Digital Trends sehr deutlich seine Unterstützung für DAB+-Autoradios.

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Klar ist, dass die Industrie nach Alternativen für das analoge Radio sucht. Die Verantwortlichen aus den Rundfunkanstalten werden sich in Zukunft den Platz zwischen Steuerrad und Handschuhfach mit anderen Anbietern und Dienstleistern teilen. Ein Beispiel ist die Verkehrssteuerung: Die Autoindustrie baut Rechenzentren mit riesigen Verkehrsleitsysteme auf, mit denen sie ihre Kunden weltweit über Autobahnen und Landstraßen lotsen möchte. Für LKWs sind diese System seit einigen Jahren in Betrieb, inzwischen kann jeder PKW-Besitzer sie über die digitalen Netzwerke in sein Auto laden. Dahinter stehen Geschäftsmodelle, die eng mit dem Leasing, dem Versichern und dem Vermieten der Fahrzeuge gekoppelt sind. Denn das sind die automobilen Geschäftsfelder der Zukunft.

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Die Kriterien für die Streckenführung sind nicht mehr nur Staus oder Sperrungen. Die Software rechnet die Strecken aus, auf denen die Fahrzeuge am wenigsten verschleißen und auf denen die Programme den niedrigsten Spritverbrauch erwarten. Auf diese Weise werden die Maschinen im Rechenzentrum zum Großen Bruder des Autofahrers. Sie kontrollieren nicht nur Geschwindigkeit und Fahrzeiten. Sie können sogar vorgeben, wann der Fahrer in welchen Gang schaltet, sie ertappen ihn beim Überholen im Überholverbot, bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder aggressivem Fahren. Im Vergleich zu den öffentlich rechtlichen Stau- und „Blitzer“-Meldungen jeweils nach den Nachrichten ist dies ein deutlicher Qualitätssprung. Mit Zuckerbrot und Peitsche werden die Fahrer zurechtgewiesen: Wer zu schnell oder zu riskant fährt, verliert schnell seinen Versicherungsschutz und gefährdet sogar seinen Arbeitsplatz. Umsichtige Fahrer, die ihre Fahrzeuge schonen, erhalten gute Platzierungen innerhalb eines monatlichen Fahrer-Rankings das sie auf Facebook teilen.

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