FOKUS AUF DIE DIGITALE ZUKUNFT

AUTOS & COMPUTER
„FOKUS AUF DIE DIGITALE ZUKUNFT“
Deutsche Leitkultur Blog by Christian Raum
Berlin, April 26th 2017

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USB-Kameras sind wichtige Komponenten für Industrie 4.0

Noch nie zuvor haben sich Wirtschaft und Industrie so schnell und so dramatisch verändert, wie seit der Digitalisierung. Die Politik versucht damit Schritt zu halten: Seit Beginn der großen Koalition sollte Industrie 4.0, Digitalisierung und die Förderung von Startups ein wichtiger Teil der Wirtschaftspolitik sein. Im Januar 2015 wurde sogar ein „Nationaler Aktionsplan Junge Digitale Wirtschaft: Startups stärken – Digitale Zukunft sichern“ vorgestellt. Darin waren zehn prioritäre Handlungsempfehlungen zur Stärkung von IKT-Startups aufgelistet. Etwa verbindliche Regeln zum Einsatz von Verschlüsselungstechnologien für das Internet oder die Förderung von Plattformen für die Zusammenarbeit von Startups mit Industrie und Mittelstand.

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Staatssekretär Machnig aus dem Bundeswirtschaftsministerium bezeichnete damals „mutige und visionäre Gründerinnen und Gründer“ als die Basis für die „digitale Zukunft Deutschlands und damit essentiell auch für die Erreichung der Ziele der Digitalen Agenda 2014-2017“. Er sprach von einem „enormen Potenzial in der Zusammenarbeit von IKT-Startups mit der klassischen Industrie sowie unserem starken, deutschen Mittelstand. Gemeinsam wollen wir die vierte industrielle Revolution – also die Digitalisierung der Industrie – in Deutschland erfolgreich gestalten“.

Über die Jahre scheint die Begeisterung von Startups etwas abgekühlt zu sein. Immerhin richtete die Regierung diverse Fördertöpfe für Startups ein – etwa im vergangenen Sommer den „Tech-Growth-Fund“. Das Finanzministerium und Wirtschaftsministerium versprachen gemeinsam zehn Milliarden Euro für die Finanzierung und das Wachstum von Startups bereits zu stellen. Offensichtlich ist dieser Fördertopf für einige Zeit aus dem Blickfeld verschwunden und wird jetzt aber wieder herausgeholt.

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Berlin: Entlang der Invalidenstraße und der Friedrichstraße haben sich viele IT-Unternehmen wie zum Beispiel HERE angesiedelt.

Ein aktueller Anlass ist, dass sich die Wirtschaftspolitik im Jahr 2017 auf das Thema Startup und Digitalisierung fokusieren möchte. Hintergrund ist, dass Deutschland im vergangenen Dezember die Präsidentschaft der G20 Staaten übernommen hat. Die Verantwortlichen im Wirtschaftsministerium haben die Digitalisierung als Kernthema definiert und bis zum Sommer eine ganze Reihe von Konferenzen angekündigt. Die sollen in letzter Konsequenz der Vorbereitung des G20-Gipfels im Juli dienen.

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„Wir werden gemeinsam mit der OECD ein Arbeitsprogramm zur Identifizierung der digitalpolitischen Kernfelder der näheren Zukunft entwickelt, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenziale der Digitalisierung in den nächsten Jahren voll auszuschöpfen“, betont ein Sprecher des Ministeriums.

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Wie wichtig die Digitalisierung für die Weltwirtschaft ist, zeigt, dass etwa in Deutschland 15 Prozent der Unternehmensumsätze mit Produkten erzielt werden, die erst in den letzten drei Jahren auf den Markt gekommen sind. Die meisten dieser Produkte stammen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie; die Folge ist eine explosionsartige digitale Evolution des Internets und der Industrie.

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Auf der Hannover Messe diskutieren Industrie und Politik, ob und wie Startups in die Wirtschaft integiert werden sollen.

Für den Wirtschaftsforscher Hans Werner Sinn stehen deshalb die Innovationen im Mittelpunkt seiner Überlegungen. Ein Maßstab hierfür seien die Patente. „Deutschland ist das Land der Tüftler und Erfinder“, führte Sinn aus. „Deshalb ist Deutschland bei der Zahl der angemeldeten Patente in Europa führend und weltweit die Nummer drei.“ Besonders viele Patentanmeldungen gäbe es im IT-Bereich. „Auf der Top-Ten-Liste des europäischen Patentamtes stehen neun Elektronikunternehmen“, erklärte Sinn.

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Die Wirtschaft habe sich in kürzester Zeit gedreht und digitalisiert – neue Industrien sind rund um Produkte herum entstanden, an die vor einigen Jahren niemand gedacht hat. Und Elektro-Mobilität, Connected Car, Lieferketten über das Internet und automatisierte Produktion sind Märkte, die erst in den kommenden Jahren zu ihrer tatsächlichen Größe wachsen werden.

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Unsere Zukunft? Roboter für den Haushalt, als Begleiter bei Spaziergängen und zum kuscheln.

Für Sinn scheine es in der Logik der IT-Industrie zu liegen, dass Unternehmen aus dem Nichts auftauchten und in relativ kurzer Zeit eine gigantische Marktkapitalisierung erreichten. Gleichzeitig bereite es ihm Sorge, dass die alte Wirtschaft nur unzureichend auf diese neuen Herausforderungen reagiere: „Unternehmen sollten Kooperationen mit Forschungseinrichtungen anstreben, Internet-Labs aufbauen, mit Startups sprechen oder am besten gleich selber ein eigenes Startup gründen.“ Die Welt ändere sich so schnell. „Wir werden alle untergehen, wenn wir uns nicht kümmern.“

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Die Verantwortung liegt insbesondere bei den CIOs und in den IT-Abteilungen der Unternehmen. Sie müssen die Projekte koordinieren, Know-how und Mitarbeiter finden und die richtigen Ideen entwickeln und nach vorne bringen. Die sehen sich mit drei Hauptaufgaben konfrontiert:

  • Probleme bei der Finanzierung für Startups, Innovationsabteilungen und Labs
  • Herausforderung neue Technologien entwickeln und auf umkämpfte Märkte bringen
  • Umbau der Kultur, Organisation und der Denkweisen in den Unternehmen.

„Unsere IT-Trends-Studie 2017 zeigt, wie CIOs auf die Digitalisierung reagieren, die disruptive Veränderungen in ihrer Branche wahrnehmen: 49 Prozent von ihnen arbeiten mit Startups zusammen, 37 Prozent wollen eine eigene Innovations-Abteilung oder einen Unternehmensbereich ‚Innovation‘ aufbauen“, sagt Henrik Ljungström, Executive Vice President Automotive & Manufacturing, Capgemini.

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Ein Verkaufsschlager in den USA: Smarte IT-Socken gegen kalte Füße…

Laut Ljungström hätten diese Initiativen aber meistens aber nicht den gewünschten Effekt, dass die gesamte IT-Einheit flexibler und agiler werde und „das Unternehmen die Startup-Kultur einfach übernimmt. Unsere Studie zeigt, dass Digitalisierung in erster Linie ein organisatorisches und kein technisches Problem ist. Es geht also auch um Kultur.“ Denn um eine neue Denkweise zu etablieren, seien tiefer greifende Maßnahmen notwendig, ist Ljungström überzeugt.

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Tatsächlich schwelt schon lange ein Konflikt zwischen IT-Verantwortlichen und Fachabteilungen – während die Mitarbeiter des CIO vor allem langfristige IT-Strategien durchsetzen wollen, drängen Fachabteilungen darauf, ihr eigenes Budget in Cloudlösungen zu investieren. Damit hoffen sie kurzfristig ihre Prozesse zu digitalisieren und ihre Abteilungen besser zu machen. Eine Unternehmensweite Lösung – wie sie von IT-Abteilungen angestrebt wird ist damit meist nicht verbunden.

Christian Raum / veröffentlicht im Magazin Automotive IT, 2017

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