Amsterdam: Digitale Parkplatzüberwachung

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Amsterdam: Digitale Parkplatzüberwachung
Deutsche Leitkultur Blog by Christian Raum
Berlin, May 31st 2017

Amsterdam ist eine Stadt ohne Tiefgaragen. Die niederländische Metropole liegt knapp unter dem Meeresspiegel, deshalb ist es hier fast unmöglich in die Tiefe zu bauen. Und deshalb kassiert die Stadt bis zu 7,50 Euro für eine Stunde Parken in der Innenstadt. Das summiert sich zu einer stattlichen Summe – die Vermietung von Parkplätzen in Amsterdam ist ein 200-Millionen-Euro-Markt. Doch die Einnahmen aus diesem Geschäft waren für die Stadtverwaltung bislang nur schwer zu kontrollieren. Denn wie auf der ganzen Welt sind die Autofahrer nur selten bereit, für ihre Parkplätze zu zahlen.

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Parallel zu diesen hohen Preisen gab es in der Vergangenheit offenbar eine große Aggressivität gegenüber den Kontrolleuren. Hohe Fehlzeiten wegen Krankheiten der Mitarbeiter – offensichtlich ausgelöst von aggressiven Autofahrern– sei der Auslöser gewesen, um die Parkraumbewirtschaftung und -überwachung zu digitalisieren. Steven de Vos, Manager Enforcement, Egis Parking Services erklärt, dass „seit der Einführung des neuen Systems die Produktivität gestiegen ist. Die Arbeitsausfälle sind stark zurückgegangen.“

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Egis Parking Services ist eine niederländische Tochter des französischen Egis-Konzerns. Das Unternehmen ist für die Verwaltung, Kontrolle und Abrechnung der Parkplätze auf den Straßen Amsterdams verantwortlich. Egis Parking Services soll über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 1,7 Milliarden Euro für die Stadt einnehmen. „Hierfür brauchten wir eine stabile IT-Plattform. Denn wir arbeiten praktisch rund um die Uhr und scannen rund 40 Millionen Nummernschilder im Jahr“, sagt Jan Lukkien, IT-Manager bei Egis Parking Services.

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Diese Datenverarbeitung für rund 40 Millionen Fahrzeuge pro Jahr besteht aus vier Layern. Die Autofahrer buchen über APPs verschiedener Anbieter einen Parkplatz im Zentrum, reservieren sich einen Platz vor ihrem Wohnhaus oder schließen eine befristetes Park-Abo für ihre Gäste und Besucher ab. Dies geschieht online innerhalb von wenigen Minuten

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Im zweiten Layer sammelt und verarbeitet Egis die Daten und gleicht sie mit den Datenbanken im dritten Layer ab. Der wird von der Stadt Amsterdam betrieben. Hier sind die Daten der Amsterdamer, unter anderem ihre Adressen und Autokennzeichen hinterlegt. Über den vierten Layer sorgen die Mitarbeiter von Egis Parking Services für die Kontrolle auf den Straßen – und für die pünktliche Überweisung aller Parkgebühren.

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Der Schrecken aller Amsterdamer Falschparker sind Egis-Autos. Die Kontrolleure sitzen sie an ihren Schreibtischen und schauen mit sogenannten „SCANaCAR-Systemen“ auf die Amsterdamer Straßen. „Diese Scan-Autos liefern pro Sekunde bis zu 800 Bilder von Fahrzeugen und deren Nummernschilder in die Rechenzentren“, erklärt Jan Lukkien. „Mit unserer Software suchen wir die Kennzeichen in unseren eigenen Datenbanken und auch in den Datenbanken der städtischen Behörden.“ So überprüften seine Kollegen und deren Software-Anwendungen, ob der Fahrzeugbesitzer den korrekten – virtuellen – Parkschein für die betreffende Parkzone erworben hat.

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Für die Falschparker gibt es kein Entkommen. Nahezu alle Autofahrer zahlen. Damit ist der Erfolg für Egis Parking Services umwerfend. Und für die Bürger sicherlich auch ein wenig gruselig. Denn das System, das zunächst für die Bewirtschaftung des Parkraums gedacht war sorgt für viel Fantasie. Es könnte sogar eine Grundlage für Amsterdam als Digitale Stadt werden.

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Denn hier sind alle Amsterdamer Autofahrer, ihre Fahrzeuge und fast sämtliche Parkplätze gespeichert. Die Frage wann war welches Fahrzeug wo geparkt interessiert auch andere Player der Smarten Stadt. Etwa Versicherungen: Sie sind immer auf der Suche nach verlorenen oder gestohlenen Autos. Im Moment läuft ein Pilotprojekt, in dem die Datenbanken der Versicherungen mit den Datenbanken abgeglichen werden. Innerhalb von wenigen Minuten finden die Versicherungsfahnder alle gemeldeten Fahrzeuge, die Autodiebe in den Straßen von Amsterdam abgestellt haben. Und auch das Finanzamt könnte von der Digitalisierung der Stadt profitieren. So haben Finanzbeamte die Möglichkeit über die Nummernschildererkennnung die Abrechnungen für die Nutzung von Firmenwagen ohne großen Aufwand zu überprüfen.

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Für die Verarbeitung und das Auslesen der 40 Millionen Amsterdamer Nummerschilderbilder, deren Kontrolle und den Rechnungsversand laufen im Rechenzentrum von BT rund 100 virtuelle Maschinen in einer VMware-Umgebung. Hier sind Datenbanken, Verzeichnisse und Anwendungen gehostet. „Diese Lösung bietet eine solide Grundlage für zukünftiges Wachstum und wird Egis helfen, seine End-to-End-Parklösungen in anderen Städten der Niederlande und vielen weiteren Orten weltweit zu vermarkten“, sagt Leonard Knijff, Business Development Manager bei BT in den Niederlanden. Anders als in anderen Metropolen sei ein großer Teil der Amsterdamer Verwaltung bereits digitalisiert. „Diese Datenbanken bilden das Fundament für die Parkplatzabrechnung.“ Auch sind die Parkplätze teurer und seltener als in vielen anderen Metropolen rund um die Erde: Deshalb waren die Umsätze vom Start weg so hoch, dass sich das Projekt rechnete.

Christian Raum

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