Ende von ISDN: Technologiewechsel bei EDI-Kommunikation

Cloud-Computing Rechenzentrum der T-Systems
Cloud-Computing Rechenzentrum der T-Systems (Quelle: T-Systems)

Die Deutsche Telekom wird bis Ende 2018 die ISDN-Infrastruktur abschalten, die Kunden werden in Zukunft nur noch über das Internet Daten verschicken können. In der Automobilindustrie sollten sich die Nutzer von EDI-Systemen auf den schnellen Wechsel auf Internetverbindungen und OFTP II vorbereiten.

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Das ERP-System eines Automobilherstellers erstellt den Produktionsplan für ein Werk, listet die benötigten Komponenten auf und ordnet sie den Zulieferern zu. Per EDI verschickt das Backend Bestellungen und Aufträge und erhält später auf dem gleichen Weg Auftragsbestätigungen und Rechnungen zurück. Der gesamte Prozess ist bereits seit Jahrzehnten automatisiert, typischerweise ist kein Mitarbeiter beteiligt.

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Als technische Infrastruktur nutzt die Automobilindustrie das ISDN-Netz, das die Deutsche Telekom in den achtziger Jahren aufgebaut hatte. Der Transport von EDI-Daten über die ISDN-Leitungen mit Hilfe des OFTP-Protokolls gilt seitdem als das IT-Fundament der Automatisierung in der Automobilbranche.

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Doch jetzt steht der Technologiewechsel an – und viele Unternehmen sind überrascht, wie schnell sie die erprobte Struktur verlassen müssen. Denn ab Ende 2018 wird die Deutsche Telekom die ISDN-Infrastruktur einstellen. Und nach Schätzungen von Insidern sind alleine in Deutschland in allen Industrien rund 300.000 Unternehmen betroffen. Die Zahl der nicht mehr arbeitsfähigen Anwendungen, Telefone, TK- oder IT-Systeme berechnen sie auf ein Vielfaches.

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Automatisierte Produktion bei Daimler (Quelle: Daimler AG)
Automatisierte Produktion bei Daimler
(Quelle: Daimler AG)

Für viele IT-Abteilungen ist dies eine sehr kritische Herausforderung. Insbesondere die EDI-Anwendungen arbeiten tief im Backend. Gerade weil sie Grundlage für die Automatisierung sind und deshalb als absolut unternehmenskritisch gelten, fassen die Verantwortlichen ihre Konverter und Schnittstellen nur sehr ungern an. Sie sind für die reibungslosen Abläufe in der Logistik und der Produktion verantwortlich, ihr Motto ist „Never change a running system.“

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Für viele gibt es nur sechs Gründe, die Systeme anzufassen, Upgrades zu installieren oder womöglich die gesamte Software auszutauschen:

  • Die Grenzen der EDI-Anwendungen sind durch das Betriebssystem oder das Datenbanksystem vorgegeben.
  • Der Wechsel des ERP-Systems erfordert das Aufsetzen eines neuen EDI-Systems.
  • Fachabteilungen verlangen häufig den Einblick in die EDI-Daten. Die IT-Abteilung kann EDI-Business-Monitoring-Systeme installieren; hiermit können Sachbearbeitern innerhalb des EDI-Datenstroms recherchieren.
  • Der Technologiewechsel bei der TK-Infrastruktur: Wird die ISDN-Infrastruktur abgeschaltet, müssen die Verantwortlichen ihre Konverter auf Internetkommunikation umstellen.
  • Damit geht einher, dass sie auch die Übertragungsprotokolle verändern. Für OEMs und ihre Zulieferer bedeutet das den Wechsel von dem ISDN-fokussierten OFTP zu dem internetkonformen OFTP II.
  • Auch neue EDI-Datenformate erfordern ein Update der Systeme. Konzerne arbeiten meist mit eigenen Vorgaben, die die Zulieferr umsetzen. Branchenverbände legen eigene EDI-Standards fest. Außerdem haben öffentliche Behörden einen eigenen EDI-Standard namens „ZUGFeRD“ definiert.

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Insider schätzen, dass einige zehntausend Automobilzulieferer in ganz Europa mit ISDN arbeiten. Offensichtlich schiebt die Branche gerade ein sehr großes Projekt vor sich her. Die Verantwortlichen müssen jetzt analysieren, wie viele der Voraussetzungen für den Technologiewechsel überhaupt vorhanden sind.

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Zunächst sollten sie überprüfen, ob sie die notwendigen OFTP-II-Konverter im Unternehmen haben. Bei großen EDI-Hersteller ist die Software im aktuellen Produkt integriert. Aber alle Unternehmen, die auf kleinere oder günstige EDI-Lösungen gesetzt haben sollten nachfragen, ob ihre EDI-Anbieter OFTP II unterstützen; falls nicht werden sie auf einen neuen Anbieter wechseln müssen.

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OFTP II verlangt eine stabile Internetverbindung – und somit kann die keinesfalls flächendeckende Abdeckung mit Internet zu einer zweiten Herausforderung werden. Darüber hinaus bedeutet OFTP II insbesondere für kleinere Unternehmen eine höhere Komplexität. Denn das Einrichten einer OFTP-II-Datenkommunikation ist deutlich aufwändiger, als eine ISDN-Verbindung.

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Eine mögliche Lösung wäre ein EDI-Konverter in der Cloud. Die Vorbereitungszeit wäre gleich null, weil die Systeme in den Rechenzentren seit Jahren laufen. Da die Cloud-Services skalierbar sind, ist die Anbindung von nur drei Unternehmen genau so möglich, wie die Kommunikation mit mehreren tausend Geschäftspartnern.

Christian Raum

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